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Wissenschaft & Gesundheit 2026-10-04 5 Min. Lesezeit

„Digitale Demenz“: Wie das Auslagern geistiger Aufgaben an das Smartphone Gedächtnis und Orientierung schwächt

Wer Erinnern, Rechnen und Navigieren vollständig an sein Smartphone delegiert, entlastet Hippocampus und präfrontalen Kortex auf fatale Weise. Forscher warnen vor geistiger Trägheit und empfehlen, Routen ohne GPS zu erkunden und kognitive Muskeln im Alltag aktiv zu trainieren.

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Nachrichtenquelle: Universität Ulm / Manfred Spitzer (Originalquelle ansehen ↗)

Geistige Kernfunktionen dauerhaft an digitale Helfer abzutreten, kann die Gedächtnis- und Orientierungsfähigkeit des Gehirns auf lange Sicht schwächen. Unter dem Schlagwort der „digitalen Demenz“ wurde diese These populär, wenngleich es sich dabei um keine klinische Diagnose handelt.

Der deutsche Psychiater und Hirnforscher Prof. Dr. Manfred Spitzer, damals ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm, landete 2012 mit seinem Buch Digitale Demenz einen Bestseller. Er vertrat die Ansicht, dass die Auslagerung von Denkprozessen an digitale Medien gerade bei jungen Menschen Lernprozesse und Gedächtnisleistung verkümmern lasse. Das Werk erregte enormes Aufsehen, zog jedoch auch scharfe methodische Kritik aus der Wissenschaft auf sich: Viele Fachleute warfen Spitzer vor, Belege einseitig auszuwählen und eine unnötig dramatisierende Sprache zu wählen. Daher sollte man „digitale Demenz“ als warnende Metapher und nicht als offizielle Krankheitskategorie verstehen. Dennoch gibt es für das biologische Prinzip „Use it or lose it“ (Wer rastet, der rostet) im Gehirn handfeste wissenschaftliche Belege. Berühmt ist die Studie von Eleanor Maguire am University College London (PNAS, 2000): Londoner Taxifahrer, die den Stadtplan mit Tausenden Straßen auswendig lernen mussten, wiesen einen messbar vergrößerten hinteren Hippocampus auf – mit zunehmender Berufserfahrung wuchs das Areal weiter. Im krassen Gegensatz dazu steht die Studie von Louisa Dahmani und Véronique Bohbot an der McGill University (Scientific Reports, 2020): Personen, die sich gewohnheitsmäßig voll auf GPS-Navigation verlassen, schnitten bei räumlichen Gedächtnistests signifikant schlechter ab; nach drei Jahren zeigte sich bei intensiver GPS-Nutzung ein weiterer Verfall des Raumsinns. Dahinter steckt das sogenannte „Cognitive Offloading“ (kognitive Auslagerung): Weiß das Gehirn, dass eine Information extern jederzeit abrufbar ist, spart es sich die tiefgehende Speicherung. Das ist nicht per se schädlich – problematisch wird es, wenn überhaupt kein Reiz mehr selbst verarbeitet wird.

Epidemiologische Daten für eine Zunahme echter neurodegenerativer Demenzerkrankungen bei 20- oder 30-Jährigen existieren nicht. Klagen über Vergesslichkeit und Konzentrationsschwächen sind zwar alltäglich, dürfen aber keinesfalls mit Alzheimer gleichgesetzt werden.

Man denke an Menschen, die selbst für den Weg zum Supermarkt um die Ecke die Navigation aktivieren, für einfachste Additionsaufgaben den Taschenrechner öffnen und keine einzige Telefonnummer ihrer engsten Verwandten mehr im Kopf haben. Werden die mentalen Muskeln nicht beansprucht, sinkt die Frustrationstoleranz bei jeder Denkanstrengung.

Fahren Sie vertraute Wege konsequent ohne GPS; prägen Sie sich neue Routen vorher kurz auf der Karte ein und navigieren Sie nach Orientierungspunkten. Lernen Sie wichtige Telefonnummern auswendig. Rechnen Sie Rechnungen im Kopf nach und fassen Sie gelesene Texte mit eigenen Worten zusammen.

Was nicht gefordert wird, bildet sich zurück. Reduzieren Sie mit Limitra App Block Ihre tägliche Bildschirmzeit und geben Sie Ihrem Gehirn wieder Raum, selbstständig zu denken, sich zu erinnern und Wege zu finden. Geistige Schärfe bewahrt man durch kleine tägliche Denkübungen.

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