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Wissenschaft & Gesundheit 2026-10-04 5 Min. Lesezeit

Kontinuierliche Teilaufmerksamkeit und „Screen-Apnoe“: Warum wir vor Bildschirmen unbemerkt den Atem anhalten

Die von Linda Stone entdeckte „Screen-Apnoe“ zeigt: Zahlreiche Menschen halten beim Lesen von E-Mails unbemerkt den Atem an oder atmen nur extrem flach. Dies versetzt das vegetative Nervensystem in einen chronischen Stresszustand und begünstigt Erschöpfung.

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Nachrichtenquelle: Linda Stone / NIH-Studien (Originalquelle ansehen ↗)

Viele Menschen halten beim Lesen von E-Mails oder Verfassen von Nachrichten unbemerkt den Atem an oder atmen nur hauchdünn in die Brust. Als Erste benannte dieses beunruhigende Phänomen die ehemalige Apple- und Microsoft-Führungskraft Linda Stone.

Linda Stone leitete in den 1980er- und 1990er-Jahren zukunftsweisende Forschungsteams bei Apple und später bei Microsoft, die sich mit virtuellen Welten und sozialer Datenverarbeitung befassten. Sie prägte zwei Schlüsselkonzepte unseres digitalen Alltags: 1. Kontinuierliche Teilaufmerksamkeit (Continuous Partial Attention): 1998 von ihr definiert, unterscheidet sich dieser Zustand grundlegend von gewöhnlichem Multitasking. Während Multitasking darauf abzielt, durch parallele Abläufe Zeit zu sparen, entspringt die kontinuierliche Teilaufmerksamkeit der Angst, irgendwo etwas zu verpassen. Der Geist scannt wie ein Radarschirm permanent die Umgebung ab, ohne sich jemals ganz auf eine Sache einzulassen – was kurzfristig belebt, langfristig aber zu nervöser Erschöpfung führt. 2. E-Mail- und Screen-Apnoe: Als Stone 2008 bemerkte, dass sie vor ihrem eigenen E-Mail-Postfach regelmäßig den Atem anhielt, begann sie Menschen an Büroarbeitsplätzen systematisch zu beobachten. Nach ihren Aufzeichnungen hielten rund 80 % der beobachteten Personen vor Bildschirmen unwillkürlich die Luft an oder atmeten extrem flach. Auch wenn es sich hierbei um qualitative Feldbeobachtungen und keine klinische Doppelblindstudie handelte, ist der physiologische Zusammenhang eindeutig: Flache Brustatmung und Atempausen aktivieren den sympathischen Ast des Nervensystems – den evolutionären Flucht- und Kampfmodus. Eine tiefe, langsame Bauchatmung hingegen stimuliert den Vagusnerv und aktiviert den Parasympathikus zur Beruhigung.

Man sitzt am PC, scrollt durch die Flut eingegangener Mails – und ertappt sich plötzlich dabei, wie man tief und keuchend ausatmet. Die Schultern sind hochgezogen, die Zähne zusammengebissen. Obwohl man stundenlang nur reglos auf dem Bürostuhl saß, fühlt man sich ausgelaugt wie nach einem Gewaltmarsch.

Treten Sie zu jeder vollen Stunde für eine Minute vom Schreibtisch zurück und atmen Sie viermal tief und bewusst in den Bauch. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, vor dem Öffnen Ihres Postfachs einmal ruhig durchzuatmen. Begrenzen Sie das E-Mail-Lesen auf feste Zeitfenster, um dem Gefühl ständiger Alarmbereitschaft zu entkommen.

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