14 US-Bundesstaaten verklagen TikTok wegen Jugendsucht: Interne Dokumente enthüllen «260 Videos genügen für Abhängigkeit»
Eine überparteiliche Koalition von 14 US-Generalstaatsanwälten unter Führung von New York und Kalifornien hat TikTok verklagt. Durch ein Versehen bei der Schwärzung von Gerichtsakten in Kentucky gelangten vertrauliche Unternehmensunterlagen an die Öffentlichkeit: Bereits 260 Videos (rund 35 Minuten) reichen aus, um Jugendliche abhängig zu machen; das viel gepriesene 60-Minuten-Zeitlimit senkte die Bildschirmzeit um lediglich 1,5 Minuten.
Eine überparteiliche Koalition von 14 Generalstaatsanwälten in den Vereinigten Staaten — darunter Kalifornien, New York, Kentucky, Illinois, Washington, New Jersey, Oregon, Louisiana, Massachusetts, Mississippi, North Carolina, South Carolina, Vermont und der District of Columbia — hat koordinierte Klagen gegen TikTok eingereicht. Angeführt von New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James und Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta werfen die Ermittler der Plattform vor, manipulative und vorsätzlich suchtfördernde Designmerkmale einzusetzen, die psychische Gesundheit junger Nutzer zu gefährden und die Öffentlichkeit über Sicherheitsstandards zu täuschen.
Im Zuge der Klageerhebung führte ein technischer Schwärzungsfehler in der Klageschrift der Generalstaatsanwaltschaft von Kentucky zur unbeabsichtigten Veröffentlichung vertraulicher interner Studien und Führungskräfte-Nachrichten von TikTok. Die brisanteste Erkenntnis: Das Unternehmen ermittelte präzise den Schwellenwert für eine algorithmische Gewöhnung und stellte fest, dass Jugendliche nach dem Betrachten von durchschnittlich 260 Videos in ein suchtartiges Nutzungsmuster verfallen. Bei einer durchschnittlichen Videolänge von etwa 8 Sekunden erreichen Heranwachsende diese Schwelle bereits nach rund 35 Minuten täglicher Nutzung.
Die geleakten internen Unterlagen entlarvten zudem die Unwirksamkeit des öffentlichkeitswirksam beworbenen «Schutzinstruments» von TikTok: dem standardmäßigen 60-Minuten-Bildschirmzeit-Hinweis für Minderjährige. Aus unternehmenseigenen Messungen ging hervor, dass dieser Hinweis die tägliche Nutzungsdauer von Jugendlichen um gerade einmal 1,5 Minuten verringerte (von 108,5 auf 107 Minuten). Interne E-Mails belegen, dass Spitzenmanager die Funktion nicht zur wirklichen Reduzierung der Bildschirmzeit konzipierten, sondern primär als PR-Maßnahme, um politischen Druck abzuwehren und Vertrauen vorzutäuschen.
Die Klageschriften heben manipulative Designmechanismen hervor, darunter den unendlichen Scroll-Feed («Für dich»), automatisches Abspielen, variable Belohnungsschleifen nach dem Prinzip von Spielautomaten sowie Push-Benachrichtigungen während der Schulzeit und mitten in der Nacht. Zudem werden verzerrte Schönheitsfilter angeprangert, die Körperdysmorphie und Angststörungen bei Mädchen verstärken. Die Kläger betonen, dass TikTok diese verheerenden Auswirkungen in eigenen Untersuchungen dokumentiert hatte, das Produktdesign jedoch zugunsten maximaler Verweildauern unverändert ließ.
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