Geleakte Meta-Dokumente: Das Unternehmen wusste, dass Instagram das Körperbild junger Mädchen verschlechtert
Die vom Wall Street Journal enthüllten „Facebook Files“ beweisen: Metas eigene Forscher stellten intern fest, dass Instagram bei jedem dritten heranwachsenden Mädchen das Körperbild beschädigt. Der algorithmisch befeuerte soziale Aufwärtsvergleich schürt Ängste, Depressionen und Essstörungen.
Die hauseigenen Forschungsabteilungen von Facebook (heute Meta) wussten seit Jahren sehr genau, dass Instagram der seelischen Gesundheit junger Nutzer nachweisbaren Schaden zufügen kann. Im Herbst 2021 gelangten diese brisanten Akten an die Weltöffentlichkeit.
Am 14. September 2021 veröffentlichte das Wall Street Journal die Artikelserie „The Facebook Files“, gestützt auf Tausende interne Dokumente der Whistleblowerin und ehemaligen Produktmanagerin Frances Haugen, die wenig später vor dem US-Senat aussagte. Die internen Befunde waren erschütternd: Laut einer Präsentation vom März 2020 gaben 32 % der befragten Mädchen an, dass Instagram dafür sorge, dass sie sich wegen ihres Körpers noch schlechter fühlten, wenn sie ohnehin bereits unzufrieden waren. Eine Folie aus dem Jahr 2019 hielt unmissverständlich fest, dass das Portal das negative Körperbild bei jedem dritten Mädchen verstärke. Unter Jugendlichen mit suizidalen Gedanken führten 13 % im Vereinigten Königreich und 6 % in den USA diese Krisen direkt auf Instagram zurück. Auch 14 % der US-amerikanischen Jungen gaben an, dass die App ihr Selbstwertgefühl untergrabe. Als Haupttreiber identifizierten die Meta-Forscher die „Explore“-Seite, den Zwang zur Zurschaustellung eines makellosen Lebens sowie die Suchtmechanismen der App – ein toxisches Zusammenspiel, das intern als „perfekter Sturm“ bezeichnet wurde. Meta verteidigte die Professionalität seiner Forschung, warf dem WSJ jedoch vor, Daten einseitig herauszupicken; die Gesamtlage in der Wissenschaft sei uneinheitlich und vielen Jugendlichen biete die Plattform auch Rückhalt. Haugen hielt dagegen, dass das Management Profit und Engagement stets über die Sicherheit der Teenager gestellt habe. Kurz nach dem Leak stoppte Meta das geplante Projekt „Instagram Kids“ für unter 13-Jährige. Zwar handelte es sich um interne Fokusgruppen und Befragungen statt begutachteter Fachstudien, doch ihre Durchschlagskraft rührt daher, dass die Alarmsignale direkt von den Entwicklern der Plattform stammten.
Ein 15-jähriges Mädchen sitzt abends im Zimmer und betrachtet perfekt retuschierte Bilder von Mitschülerinnen und Influencern. Beim Blick in den Spiegel fühlt sie sich unzulänglich und unattraktiv. Der Algorithmus registriert ihr Verweilen und spült unablässig ähnliche Inhalte in ihren Feed.
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